E-Klausuren am Fachgebiet Energiesysteme

e-klausuren_wirtschaftAm Fachgebiet Energiesysteme der Fakultät III unter Leitung von Prof. Erdmann werden schon seit vielen Jahren Online-Klausuren durchgeführt, seit Wintersemester 2014/15 erstmals auch auf der TU-Lernplattform ISIS|moodle. Wir durften ein Interview mit einer Mitarbeiterin des Fachgebiets führen. Lisa Koch führt die Klausuren für die bis zu 400 Studierenden des Moduls „Wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen für Studierende der Ingenieurwissenschaften“ durch. Inhaltlich geht es vor allem darum, den Studierenden ein Grundverständnis zu wirtschaftlichen Sachverhalten und Zusammenhängen zu vermitteln. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen bei der Durchführung von E-Klausuren auf ISIS|moodle. Für Lehrende, die zum ersten Mal eine Online-Klausur durchführen möchten, können die folgenden Praxistipps für die Bereiche Technik, Sicherheit, Organisation und Didaktik hilfreich sein.

Zum Abfangen technischer Probleme nannte Lisa Koch einige Maßnahmen. Um einem eventuellen Datenverlust vorzubeugen, wird bspw. pro Seite jeweils nur eine Frage angezeigt. Durch den Wechsel auf die nächste Seite findet eine automatische Zwischenspeicherung statt. Stürzt ein Rechner ab, was häufiger vorkommt, erhält die/der Studierende etwas mehr Bearbeitungszeit und kann ggf. auf einen anderen Rechner wechseln. Außerdem wird eine Notfallklausur auf Papier als Backup-Lösung vorbereitet und in ausreichender Anzahl bereitgehalten. Diese kann auch eingesetzt werden, wenn jemand seine/ihre Zugangsdaten vergessen hat. Wird die Papierklausur nicht benötigt, kann sie im nächsten Semester als Übungsklausur verwendet werden. Nach der Prüfung wird der gesamte ISIS-Kurs sofort gesichert, um einen möglichen Datenverlust zu vermeiden. Es muss außerdem sichergestellt werden, dass sich kein/e Student/in selbst aus dem Kurs austragen kann, da sonst die Daten verloren gehen.

Auch zur Sicherheit hinsichtlich Betrugsversuchen trifft Lisa Koch eine Reihe von Maßnahmen. So erstellt sie pro Klausurfrage drei Varianten der Aufgabe, wodurch ein „Schummeln“ erschwert wird. Zudem wird die Klausur erst am Prüfungstermin automatisch zu einer bestimmten Uhrzeit freigeschaltet; sie ist außerdem durch ein zusätzliches Passwort geschützt und nur von vorher festgelegten IP-Adressen aufrufbar. Auch das Surfen im Internet ist nicht möglich. Es wird ein sogenannter Kiosk-Modus für den Browser genutzt, der von innoCampus und den Mitarbeitern des UNIX-Pools entwickelt wurde, damit nur klausurrelevante Webseiten angezeigt werden können. Darüber hinaus werden Bildschirme verwendet, die es erschweren, den Rechner des Nachbarn einzusehen. Die Nutzung von Handys während der Klausur ist untersagt und nur in dringenden Fällen unter Aufsicht möglich. Wenn sich die Studierenden eingeloggt haben, werden die Matrikelnummer und der Name auf dem Bildschirm mit dem Studierendenausweis des jeweiligen Prüflings abgeglichen, gleiches erfolgt erneut nach einem Absturz. Nach der Klausur und dem abschließenden Ausloggen ist ein erneutes Einzuloggen nicht mehr möglich, außer die Administratoren schalten die Klausur erneut frei.

Weiterhin sind einige organisatorische Rahmenbedingungen zu beachten. So müssen alle Studierenden provisioniert sein und ihre tubIT-Zugangsdaten auch vor Ort dabei haben. Nebenhörer von anderen Hochschulen müssen sich also vorher rechtzeitig provisionieren lassen. Dabei hat es aber bisher keine Probleme gegeben, da die Voraussetzung für die Teilnahme an der Klausur die Hausaufgaben sind, die ebenfalls auf ISIS|moodle bearbeitet werden. Dadurch müssen sich die Studierenden bereits frühzeitig im Semester um einen ISIS- bzw. tubIT-Account kümmern.

Für die Durchführung der Klausur sind ein bzw. mehrere PC-Pools mit einer genügend großen Anzahl von Rechnern nötig. Bei großen Gruppen ist eine Aufteilung der Studierenden auf mehrere Räume erforderlich. Das Fachgebiet Energiesysteme führt seine Klausuren in verschiedenen PC-Pools durch: im UNIX-Pool des Instituts für Mathematik, in den Terminalräumen des Informatik-Rechnerbetriebs der Fak. IV und im PC-Pool der physikalischen Institute. Dort besteht technischer Support durch die Mitarbeiter der PC-Pools. Die Betreuung und Aufsicht der Studierenden muss jedoch wie bei Papierklausuren durch den/die Dozent/in und seine Mitarbeiter/innen organisiert werden.

Schließlich müssen auch didaktische Entscheidungen getroffen werden. Da Lösungswege bei Online-Berechnungsfragen nicht berücksichtigt werden, bietet es sich an, diese Fragen in Unterfragen zu unterteilen, um so zumindest Punkte für richtige Zwischenergebnisse vergeben zu können. Um zu vermeiden, dass die Studierenden die Aufgaben durch Raten lösen, werden MC-Fragen so konzipiert, dass sie möglichst viele Antwortoptionen enthalten, die zunächst gelesen und verstanden werden müssen. Negativbewertungen für falsche Antworten sind nicht gewollt und wären auch nicht zulässig. Die Hauptfragen und MC-Optionen werden am Fachgebiet gemischt, die Unterfragen bleiben jedoch in der ursprünglichen Reihenfolge, da sie aufeinander aufbauen. Nach der Durchführung der Klausur kann diese für die nächsten Studierenden zum Üben bzw. für die Prüflinge zur Nachbereitung eingesetzt werden.

Wir diskutierten außerdem Mehrwerte und Nachteile für die Studierenden bzw. für den Dozenten/die Dozentin. Ein großer Vorteil für die Studierenden ist die Geschwindigkeit des Verfahrens. So werden die vorläufigen Ergebnisse sehr schnell, meist am gleichen Abend bekannt gegeben. Dies kann vor allem für Erasmus-Studierende und für BAföG-Antragsteller wichtig sein, die sich ihre Prüfungsergebnisse rechtzeitig anerkennen lassen müssen. Die Klausureinsicht, die einige Zeit später stattfindet, können die Studierenden bequem von zu Hause oder von woanders über das Internet vornehmen, da die Klausur dafür einfach noch mal freigeschaltet wird. Als Dozent/in muss man dabei allerdings in Kauf nehmen, dass die Aufgaben von den Studierenden kopiert und online gestellt werden können. Möchte man dies vermeiden, z.B. bei einem zu kleinen Pool an Fragen, kann die Klausureinsicht auch unter Aufsicht vor Ort an der TUB erfolgen.

Für den/die Dozent/in ist ein großer Vorteil die automatische Auswertung durch das Testmodul in ISIS|moodle. Zudem sind gegenüber einer Papierklausur die Ergebnisse besser lesbar und es können farbige Grafiken und auch Animationen eingesetzt werden. Allerdings ist die Vorbereitung einer E-Klausur aufwändiger, da zusätzlich zur Papierklausur noch der Online-Test in ISIS|moodle erstellt werden muss. Am Fachgebiet Energiesysteme werden außerdem für Berechnungsaufgaben noch Toleranzbereiche für die Ergebniszahlen eingegeben, was sinnvoll ist, aber zusätzlich Zeit kostet. Auch die Nachbearbeitung geht nicht automatisch. Die Ergebnisdatei muss z.B. auf Rechtschreibfehler, Eingabefehler etc. korrigiert werden. Hier ist es hilfreich, diese Fehler zu antizipieren und als richtige Antworten zu hinterlegen. Bei gehäuften falschen Antworten zu einer Frage besteht die Möglichkeit diese, falls missverständlich, im ISIS-System neubewerten zu lassen. Für die Nachbereitung kann eine Musterlösung hinterlegt werden, so dass die Studierenden allein nachvollziehen können, ob und warum ihre Lösungen richtig bzw. falsch waren. Je ausführlicher diese ist, desto weniger Nachfragen treten auf.

Angesichts dieser Erfahrungen aus der Praxis wird deutlich, dass die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer E-Klausur kein Selbstläufer ist. Es gibt viel zu bedenken, aber gerade bei Prüfungen, die mehrfach durchgeführt werden, steht dem Aufwand auch der Nutzen einer Wiederverwendung gegenüber.

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