E-Klausuren in der Werkstoffkunde

TiAl6V4Am Fachgebiet Werkstofftechnik werden bereits seit 3 Semestern E-Klausuren mit ISIS/moodle durchgeführt. Die bis zu 500 Studierenden der Werkstoffkunde I und II führen den Test in bis zu vier Durchgängen im UNIX-Pool des Instituts für Mathematik durch. Dr. Anke Märten betreut die Klausuren rund um Werkstoffentwicklung, Verarbeitungsverfahren und Betriebsverhalten von unterschiedlichen Materialien und Bauteilen.

online.lehre.team: Viermal wird die gleiche Klausur hintereinander geschrieben. Wie verhindern Sie eigentlich, dass sich die Fragen in der kurzen Zeit herumsprechen?

Dr. Anke Märten: Die Fragen wiederholen sich nicht und wenn, dann ist es Zufall. Wir haben zu jedem der Themenbereiche wie “Struktur der Metalle” oder “Kunststoffe” einen umfangreichen Fragenkatalog angelegt, aus dem zufällig jeweils 10 Fragen ausgewählt werden. Bei allen Fragetypen, bei denen es geht, werden auch die Antworten innerhalb der Frage noch gemischt.

Das heißt aber auch, dass es sein könnte, dass manche Studierende dann zufällig mehr einfache Fragen bekommen als andere.

Nein, das wäre unfair. Wir haben das bei uns über den Fragenkatalog gelöst. Dort gibt es die Möglichkeit beliebig viele Kategorien und Unterkategorien zu erstellen. Zu jedem Themenbereich haben wir jeweils Fragen mit gleichem Schwierigkeitsgrad in einer Kategorie zusammengefasst. Daraus wird dann die Zufallsauswahl getroffen, so dass jeder Studierende die gleiche Anzahl leichter und schwerer Fragen bekommt.

ISIS bietet ja eine Vielzahl von Fragetypen an. Welche kommen bei Ihnen besonders oft zum Einsatz?

Wir hatten früher nur Multiple-Choice-Fragen, haben das aber umgestellt. Jetzt gibt es zum Beispiel auch Fragen, bei denen Studierende angeben müssen, ob eine Aussage wahr oder falsch ist. Dann nutzen wir Kurzantworten, die numerische Kurzantworten und Lückentexte. Freitexte haben wir nicht eingesetzt, weil es einfach zu aufwändig ist, sie zu korrigieren. Dafür haben wir jetzt umgestellt auf Portfolioprüfungen, bei denen die Studierenden Hausaufgaben bekommen. So haben wir dort dann die Möglichkeit umfangreichere Fragen zu stellen, die mit längeren Erklärungen beantwortet werden müssen.

Ich kann mir vorstellen, dass die Organisation von so vielen Studierenden dann während der Prüfung recht aufwändig ist. Wie kann man sich das vorstellen?

Dafür haben wir mit der Zeit ein einheitliches Vorgehen entwickelt. Zuerst einmal bekommt jeder Studierende von uns einen zufällig verteilten Sitzplatz zugewiesen. Dann werden die Studierenden gebeten alles zur Seite zu packen, was sie nicht benötigen. Übrig bleiben dann der Studierendenausweis, ein Stift und Essen und Trinken, da die Klausur ja drei Stunden dauert. Handys sind nicht erlaubt, auch nicht in den Hosentaschen.

Für die Klausur habe ich dann mehrere Sicherheitsschranken eingebaut: Zum einen ist der IP-Bereich eingegrenzt, von dem aus man auf den Kurs zugreifen kann. Dann hat der ISIS-Kurs, in dem die Klausur liegt, ein Passwort und auch der Test selbst hat dann nochmal ein Passwort. Außerdem haben wir ganz normales Aufsichtspersonal, das die Studierendenausweise prüft und auch guckt, dass niemand schummelt. Wobei das ohnehin schwer ist, da die Fragen ja unterschiedlich sind. Es nützt also nichts beim Nachbarn mal zu gucken, was er bei Aufgabe 3 angekreuzt hat.

Wie handhaben Sie die Klausureinsicht bei so vielen Studierenden?

Am Ende der Klausur geben die Studierenden ihre Ergebnisse per Knopfdruck ab. Dort wird dann gleich ein Termin angezeigt, zu dem die Einsicht stattfindet. Beim letzten Mal waren 120 Studierende bei der Einsicht, da war der Pool dann natürlich entsprechend voll, zumal wir für die Einsicht immer nur einen der Seitenräume nutzen. Ich schalte die Klausur dann für dieses Zeitfenster noch einmal frei und die Studierenden bekommen so die Möglichkeit sich ihre Ergebnisse in Ruhe anzuschauen.

Und was passiert, wenn z.B. eine Kurzantwort aufgrund eines Rechtschreibfehlers als falsch gewertet wurde, obwohl der oder die Studierende die Lösung eigentlich wusste?

Das ist kein Problem. Wir können die Bewertung für die einzelne Frage auch manuell noch einmal ändern. Wenn wir denken, dass dieser Fehler vielleicht auch bei anderen passiert ist, dann fügen wir die falsch geschriebene Antwort einfach als Lösung auf die Frage hinzu. Mit dem Button “Neu bewerten” können wir dann alle Ergebnisse noch einmal bewerten lassen und haben so vielleicht gleich noch den einen oder anderen mit “erfasst”, der den gleichen Fehler gemacht hat.

Wenn die Bewertung abgeschlossen ist, dann müssen Sie die Ergebnisse ans Prüfungsamt übermitteln. In ISIS werden aber keine Matrikelnummern gespeichert, wie ordnen Sie die den Teilnehmenden zu? Gibt es da eine technische Lösung oder müssen Sie das per Hand machen?

Bei den ersten Klausuren haben wir das tatsächlich per Hand gemacht. Jetzt laden wir die Ergebnisse der Klausur aus ISIS als Excel-Datei herunter. Parallel dazu haben wir die Anmeldeliste, die auch die Matrikelnummern enthält. Ein Excel-Makro vergleicht dann die Namen und ergänzt die Matrikelnummern in der Ergebnisdatei. Für die Übermittlung an QISPOS können wir dann diese Datei nutzen, allerdings gibt es auch immer noch einige Studiengänge, bei denen wir die Noten direkt schriftlich ans Prüfungsamt geben müssen. Mit der Einführung des Student Lifecycle Management wird sich das aber hoffentlich ändern. Wenn alles klappt, dann wird die komplette Prüfungsverwaltung darüber geregelt und die Weitergabe deutlich einfacher.

Wenn es soweit ist, dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns berichten, ob alles wie geplant funktioniert… Bis dahin erst einmal: Vielen Dank für das Interview!

 

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