Interaktion in großen Veranstaltungen mit Abstimmungssystemen

wer_wird_millionaerJeder kennt Abstimmungssysteme aus dem Fernsehen, bei denen das anwesende Publikum um die Beantwortung einer Frage mit mehreren Auswahlmöglichkeiten gebeten wird. In der Regel erhält dafür jeder Zuschauer ein kleines Abstimmgerät mit dem die (hoffentlich) richtige Antwort per Tastendruck übermittelt werden kann. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten auch softwarebasierte Abstimmungssysteme (auch Clicker-Systeme oder Electronic Voting Systems genannt). Hierbei wird das eigene internetfähige Handy, Tablet oder Notebook zum “Abstimmgerät”. Mittlerweile gibt es mehrere kostenfreie Anbieter solcher Clicker-Systeme, die sich auch an der TU wachsender Beliebtheit erfreuen. Das Grundprinzip ist bei allen Systemen das gleiche:

  1. Der/die Dozentin erstellt (meist bereits im Vorfeld der Veranstaltung) Fragen mit möglichen Antwortoptionen. Diese können dann in der Veranstaltung gestellt werden, wobei ein Internetzugang (z.B. über das Media-Pult oder WLAN/eduroam) erforderlich ist.
  2. Die Studierenden erhalten einen Link zum Anbieter und einen Zugangsschlüssel zu der entsprechenden Abstimmung. Dort können sie dann via Smartphone, Tablet oder Laptop ihre Stimme abgeben. Fast alle Systeme bieten auch die Anzeige eines QR-Codes an, mit dem die Studierenden gleich auf der richtigen Seite landen.
  3. Wird die Abstimmung beendet, kann der/die Dozent/in sich das Ergebnis gemeinsam mit den Studierenden anschauen. Die Darstellung variiert je nach Anbieter und Fragetyp, meist werden aber bekannte Formate wie Balken- oder Tortendiagramme benutzt, um die Verteilung der Antworten darzustellen.

Da heutzutage viele Studierende sowohl über die entsprechenden Geräte als auch einen Internetzugang verfügen, bieten sich solche Systeme sehr gut für den Einsatz in großen Lehrveranstaltungen an, bei denen die Möglichkeiten der Interaktion sonst aufgrund der Gruppengröße und räumlichen Gegebenheiten oft begrenzt sind. Die “Mitmachquoten” liegen bei den Lehrenden, mit denen wir über den Einsatz bislang sprechen konnten oft bei weit über 50%. Genutzt werden dabei z.B. die folgenden, kostenlosen Abstimmungssysteme:

  • Kahoot: Eine Quizanwendung, die zusammen mit der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) entwickelt wurde. Hier können Sie sich den Vortrag eines norwegischen Kollegen zur Vorstellung von Kahoot auf dem E-Learning-Tag 2013 anschauen: Kahoot! A blended learning engagement tool. Insights into our experiences so far
  • Socrative: Ein in den USA sehr verbreitetes Abstimmungssystem, mit dem sich bekannte Fragetypen (Multiple Choice, wahr/falsch, Kurzantworten) umsetzen lassen. Wie bei kahoot stehen auch hier neben dem Browserzugang Apps für Android und iOS zur Verfügung, die bei häufiger Anwendung einen bequemeren Zugang erlauben.
  • tweedback: Entwickelt an der Uni Rostock bietet diese Anwendung neben den Quizfunktionalitäten noch zwei weitere: Zum einen eine Chatwall, auf der Studierende Kommentare und Fragen hinterlassen können und einen Panic Button, dessen Aktivierung durch eine gewisse Anzahl von Studierenden dem Lehrenden die Rückmeldung geben kann: Uns geht es zu schnell!
  • pingo: Ein an der Universität Paderborn entwickeltes, rein web-basiertes Feedback-System.

Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei sehr vielfältig. Einige möchten wir Ihnen nachfolgend gern vorstellen. Wenn Sie selbst solche Systeme einsetzen und weitere Ideen für den Einsatz haben, dann melden Sie sich gern bei uns!

Erfassung des Wissenstands: Die sicher bekannteste und vermutlich auch häufigste Einsatzvariante ist das Abfragen von Wissen mit Single oder Multiple Choice Fragen. Hiermit kann der aktuelle Wissensstand erfasst werden, wobei das gleich für beide Seiten dienlich ist: die Studierenden können sich selbst überprüfen und Sie erhalten eine Rückmeldung dazu, was bereits verstanden wurde und an welchen Punkten es noch hakt.
Alle an Bord? Viele Lehrende stellen auf ISIS/moodle Materialien zur Vorbereitung auf eine Veranstaltung zur Verfügung. Das können Texte sein, die gelesen oder Videos, die angeschaut werden sollen. Um zu sehen, ob diese Materialien tatsächlich im Vorfeld angeschaut wurden, können Sie Fragen stellen, die sich konkret auf diese beziehen und so einschätzen, auf welchem Stand die Studierenden gerade sind.
Wer sitzt mir gegenüber? Gerade in den großen Einführungsveranstaltungen im Bachelor sitzen oft Studierende unterschiedlicher Fachrichtung gemeinsam in einer Veranstaltung. Wenn Sie gern wissen möchten, wie sich die Bereiche und somit auch die Interessen im Hörsaal verteilen, dann können Sie die Abstimmung auch dafür nutzen. So könnten Sie die Auswahl der Beispiele, auf die Sie sich beziehen, anpassen, um möglichst viele Studierende damit anzusprechen und ihnen den Praxisbezug so erleichtern.
Überzeugungsarbeit: Wenn Sie bei einer schwierigen Frage feststellen, dass die Antworten sich über die verschiedenen Antwortoptionen sehr stark verteilen, dann können Sie eine kleine “Murmelrunde” machen: Bitten Sie die Studierenden mit ihrem jeweiligen Nachbarn über die Frage zu diskutieren und ihn von der eigenen Meinung zu überzeugen. Im Anschluss lassen Sie alle Teilnehmenden noch einmal abstimmen und werden hoffentlich feststellen, dass sich die Antworten in die richtige Richtung bewegen! (Und wenn nicht, dann wissen Sie nun, wo offensichtlich noch größere Lücken bestehen.) 

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