“Jede Menge Mengen” – Screencasts in der Theoretischen Informatik

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Nachdem Dr. Ane Kleine-Engel mit ihren Screencasts zu den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens den Auftakt zu unserer Reihe von Erfahrungsberichten gemacht hat, wechseln wir nun zu einem ganz anderen Fachbereich. Arno Wilhelm-Weidner arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Modelle und Theorie Verteilter Systeme und erstellt Screencasts rund um die theoretischen Grundlagen der Informatik. Von “Jede Menge Mengen” bis “To prove or not to prove” finden sich auf seinem Youtube-Kanal mittlerweile 19 Videos, über deren Entstehung und Nutzung er Folgendes berichtet:

screencast_kellerautomatenVor mittlerweile fast drei Jahren wurde ich von Professor Nestmann gefragt, ob ich Interesse daran hätte, als studentischer Mitarbeiter für das damalige TheGI1, also die Theoretischen Grundlagen der Informatik für das erste Semester, Screencasts zu machen. Ich kannte Lehrvideos bis dato nur von der Plattform Video2Brain und war interessiert daran, mich intensiver damit zu beschäftigen. In den ersten Wochen galt es nun, herauszufinden, wie die Videos aussehen sollten, welches Format und didaktischen Elemente wir uns vorstellten und wo sie veröffentlicht werden sollten. Dafür sah ich mir an, was ich an Lehrvideos, Screencasts und allem drum herum finden konnte: Videos von Jörn Loviscach, der Khan Academy, ScreenCastsOnline, Vi Hart und vielen weiteren. Gemeinsam mit Professor Nestmann entstand so das Format, das wir seither nutzen. Dabei sind Beginn und Ende des Videos, abgesehen vom Titel, immer gleich und mit identischer Musik hinterlegt, um Wiedererkennungswert zu schaffen. Dazu dient auch ein fester Rahmen, der Bestandteil aller Videos ist. Von Anfang an war der Plan, nicht schnell möglichst viel Content zu produzieren, sondern über mehrere Iterationen versuchen, die didaktische Präsentation des Stoffs zu optimieren und gleichzeitig die Fehleranzahl zu minimieren. Didaktisch versuchen wir, den natürlich oft Formel-lastigen Stoff viel über kurze Beispiele und Anschauung zu motivieren, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu halten. Dabei sollen die Screencasts weder Vorlesung noch Tutorium ersetzen, sondern nur einerseits sehr grundlegenden und andererseits stellenweise auch sehr fortgeschrittenen Stoff vermitteln, wofür in den 90 Minuten einer Vorlesung oft nicht so viel Zeit bleibt, wie es wünschenswert wäre.

Die technische Umsetzung erfolgt mittlerweile über ein Wacom Cintiq 24HD touch. Betriebssystembedingt habe ich vor kurzem von Screenflow zu Camtasia gewechselt. Beide Programme sind zur Aufnahme des Bildschirms und zum Schnitt gut geeignet, auch wenn sie ihre spezifischen Vor- und Nachteile haben. Die Videos entstehen dabei so, dass zunächst das Bild mit allen geschriebenen Erklärungen aufgenommen wird, dann ein Skript mit dem passenden Text dazu entsteht und dieser eingesprochen wird. Bild und Ton müssen danach noch zusammengeschnitten werden – fertig ist der Screencast. Dieser wird dann von mehreren Mitarbeitern angesehen, kommentiert und beurteilt, woraufhin eine weitere Version entsteht, bis wir ihn gut genug zur Veröffentlichung halten.

Unsere Screencasts werden derzeit auf Youtube online gestellt. Dies garantiert gute Abrufmöglichkeiten auch für Mobilgeräte und auch eine gewisse Ausfallsicherheit, ohne administrativen oder technischen Aufwand für uns.

Die iterative Herangehensweise ist natürlich zeitlich sehr aufwändig, was zu wenig Videos führt. Dennoch haben wir uns dafür entschieden, dies beizubehalten, um didaktisch möglichst treffende Erklärungen zu finden und so Videos zu produzieren, die wir möglichst lang nutzen können.

Mittlerweile arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter auch an Lehrveranstaltungen mit, die studentische Stelle wurde neu besetzt und wir arbeiten zu zweit an Screencasts. Dabei ist auch eine leichte Formatveränderung entstanden. Während meine Kollegin weiterhin Screencasts zur Stoffvermittlung produziert, konzentriere ich mich gerade darauf, kurze und schneller produzierte Screencasts, in denen konkrete Aufgaben vorgerechnet und dabei erklärt werden, zu machen. Diese durchlaufen nur eine Schleife und werden danach direkt veröffentlicht. Somit entstehen mittlerweile für unseren Kanal zwei verschiedene Videoformate, die aber eng miteinander zusammenhängen.

Wer mehr über unsere Screencasts erfahren möchte, kann zum einen natürlich den Youtube-Kanal http://www.youtube.com/theuberlin besuchen, gerne mit uns Kontakt aufnehmen oder auch auf den Artikel „Screencasts Pro: Wie Lehrvideos die Vorlesung ergänzen können“ von Professor Nestmann und mir im Buch „Vorlesungen innovativ gestalten“ (Hrsg. Monika Rummler, erschienen 2014 im Beltz Verlag) zurückgreifen.

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