Softwaretutorials in Übungen und Tutorien einsetzen

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Vor allem im Masterstudium gibt es eine ganze Reihe von Tutorien und Übungen, in denen mit fachspezifischer Software gearbeitet wird. Manche haben den Umgang mit dem Programm selbst zum Inhalt, bei anderen wird es benötigt, um die gestellten Aufgaben lösen zu können. Manche Programme können die Studierenden mit besonderen Lizenzen auf ihrem eigenen Rechner installieren, bei anderen müssen sie im Computerpool arbeiten.

Oft haben die Studierenden bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dieser oder ähnlicher Software gearbeitet, so dass sie eine Einführung und begleitende Hilfe benötigen, um sich darin zurechtzufinden. Anstatt für diese Anleitungen die wöchentlichen Übungszeiten zu nutzen, können auch Softwaretutorials eingesetzt werden. Das hat gleich drei Vorteile:

  1. Die Studierenden können sich das Tutorial anschauen, wenn sie es benötigen und es bei Bedarf auch mehrfach abspielen. So kann vermieden werden, dass in der Zeit zwischen der Anleitung in der Übung und dem eigentlichen Einsatz wichtige Punkte wieder vergessen werden und Fehler entstehen. Das erhöht die Arbeitseffizienz und reduziert die Fragen an die Betreuer.
  2. Die Zeit im Tutorium oder der Übung kann anders genutzt werden und muss nicht mehr für eine live-Demo reserviert werden. Dorthin können dann Gruppenarbeitsphasen oder eine offene Fragerunde gelegt werden.
  3. Die Tutorials sind in den kommenden Semestern wiederverwendbar. Auch Kolleginnen und Kollegen können ggf. auf die erstellten Tutorials zurückgreifen, wenn diese später noch einmal benötigt werden und an einem gemeinsam zugänglichen Speicherort abgelegt sind.

Am Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb wurde dieses Konzept im Sommersemester 2014 in der Lehrveranstaltung DV gestützter Betrieb von Straßenverkehrsanlagen eingesetzt. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit gängiger Planungssoftware, die bislang an zwei Präsenztagen vorgestellt und anschließend im Verlauf des Semesters für die Projektarbeit genutzt wurde. Nach bisherigen Beobachtungen bereitete den Studierenden vor allem das selbständige Arbeiten mit dieser Software Probleme, da Einstellungsdetails im Laufe des Semesters wieder vergessen und häufig neu erfragt werden mussten. Im Rahmen unseres berufsbegleitenden Zertifikatskurses Online Lehre lernen hat die Dozentin Janina Sachs daher ein Veranstaltungskonzept entwickelt, bei dem die Softwareanleitung in Form wöchentlicher Tutorials erfolgt. Die bisherigen Präsenzphasen konnte sie dann für konkrete Rückfragen und die vor-Ort-Unterstützung der Projektgruppen nutzen.

Ob dabei alles geklappt hat wie geplant und ob sie mit den Ergebnissen zufrieden ist, hat sie uns in einem kleinen Interview verraten:

online.lehre.team: Das Semester liegt nun hinter dir, wie würdest du deine Erfahrungen in 2-3 Sätzen beschreiben?

Zum einen denke ich, dass es für die Studierenden ein sinnvoller Umschwung ist. Da jedoch auch sie das meistens zum ersten mal machen, muss man alles (auch das Organisatorische) etwas genauer beschreiben. Zudem ist die Produktion der Videos ein zeitaufwendiger Schritt, der sich jedoch spätestens in den kommenden Semestern lohnen wird. Aber ich denke auch dieses Jahr haben wir schon (zeitliche) Vorteile, da die Rückfragen der Studierenden bislang zurückgegangen sind. Normalerweise waren die Semesterferien ein Knackpunkt, bei dem viele Zeit hatten das Projekt zu bearbeiten, wir werden also sehen, wie es in den kommenden Monaten weiter geht.

Lernerfolg ist bekanntlich schwer messbar. Kannst du durch den Vergleich mit den vorangegangenen Semestern trotzdem einschätzen, wie sich dein neues Konzept auf die Studierenden ausgewirkt hat?

Ich denke anhand der Möglichkeit, sich etwas mehrmals anschauen zu können, können die Studenten anschließend alles, was gelehrt wurde. Im Moment habe ich noch etwas das Gefühl, dass sie jedoch erwarten, dass ihnen alles gezeigt wird. Das ist aber sicherlich auch ein Problem, was sich über die richtige Kommunikation lösen lässt. Sie sollen zwar Unterstützung bekommen, jedoch trotzdem ihren eigenen Anteil dazu beitragen.

Hast du auch direktes Feedback von den Studierenden bekommen und/oder deinen Kurs evaluiert?

Ich habe etwa zur Hälfte des Semesters eine Umfrage (online) gemacht, an der sich jedoch nur wenige beteiligt haben. Die Rückläufe waren aber überwiegend positiv. Aber ich habe gemerkt, das die Qualität der Videos wirklich eine sehr große Rolle spielt. Die hat sich mit Zunahme der Erfahrung und Anschaffung von neuen Geräten deutlich verbessert, was sich auch in der Umfrage wiedergespiegelt hat.

Bevor man Tutorials einsetzen kann, müssen sie ja erst einmal erstellt werden. Könntest du einen kurzen Überblick darüber geben, wie lang deine Tutorials waren und wie viel Zeit du gebraucht hast, um sie zu erstellen? Hattest du Hilfe und wie bist du mit der Technik klargekommen?

Ich habe aufgrund der Kurzfristigkeit die Videos im Semester erstellt, sozusagen parallel. Die Videos sind zwischen 3 und 7 Minuten lang. Die benötigte Zeit war teilweise sehr unterschiedlich. Ich schätze im Durchschnitt habe ich ca. 20 Minuten zum Aufnehmen benötigt. Die Vorbereitung hat mich ca 30 Minuten pro Aufnahme und die Nachbereitung ca. 1 h pro Aufnahme gekostet. Ich habe jedoch in der Nachbereitung nicht viel gemacht, außer das Video zurecht geschnitten und gelegentlich Zeitraffer eingefügt. Test oder andere Sachen habe ich noch nicht mit eingebunden. Insgesamt habe ich 28 Videos erstellt.

Mit der Technik bin ich tatsächlich recht gut zurecht gekommen. Das Programm und das grundlegende Know-How hatte ich ja im Online.Lehre.Lernen Kurs erlernt. Aber nichtsdestotrotz ist die Handhabung recht unkompliziert und Übung macht ja bekannterweise den Meister, das trifft hier auch zu. :)

Und natürlich abschließend: wirst du das Konzept so beibehalten oder wirst du im nächsten Semester etwas anders machen?

Ich denke ich werde das Konzept so beibehalten. Ich werde von meiner Zeitplanung ein paar Anpassungen vornehmen und eventuell noch mehr “Zwischenabgabedaten” einführen oder zumindest feste Termine einbauen, an denen die Studierenden kommen müssen. Momentan haben sie recht viel Freiheit was ihre Planung angeht. Ich denke mit Abschluss der Semesteraufgabe (Ende vorlesungsfreie Zeit) kann ich dazu noch etwas mehr sagen, je nachdem, ob sich die Fragen nun wieder häufen oder nicht…

 

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