E-Learning Human Factors Engineering

E-Learning Angebot Human Factors Engineering. Ein Screenshot aus dem ISIS-Portal mit geöffnetem Video-Screencast

Seit 2017/18 wird die jährlich im Wintersemester stattfindende Einführung Human Factors Engineering als E-Learning angeboten. Dipl.-Psych. Sabine Prezenski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kognitive Modellierung in dynamischen Mensch-Maschine-Systemen am Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft (Fakultät V), berichtet über Hintergründe sowie Vor- und Nachteile dieser Lehrform.

Warum E-Learning-Angebote?

Warum haben Sie die Inhalte der Vorlesung Human Factors Engineering als E-Learning erstellt?

Es gibt mehrere Gründe: Davor habe ich die Inhalte als Vorlesung präsentiert und zwar immer vier Stunden am Stück. Das war aber sehr anstrengend für alle. Einerseits war es für mich anstrengend, weil ich eben so lange sprechen musste und andererseits habe ich auch gemerkt, dass bei den Studierenden die Aufmerksamkeit nachließ.

Was an der Veranstaltung schön ist, sie hat immer Praxisbezug. Es geht um die Grundlagen von Informationsverarbeitung, aber eben auch um Anwendungen wie zum Beispiel für Sicherheit und Automation. Das kann man eigentlich schön in kleinere Themenblöcke fassen. Es bietet sich deshalb aus meiner Sicht ganz gut für E-Learning an. Einerseits waren die Gründe, dass ich es zu anstrengend fand und es bei den Studierenden auch nicht mehr richtig ankam und andererseits waren es praktische Gründe. Denn ich wollte gerne einen Forschungsaufenthalt in Australien machen. Ich habe aber eine Haushaltsstelle, das heißt ich muss mein Lehrangebot weiterführen und habe mir deshalb überlegt, den Kurs als E-Learning-Kurs anzubieten, damit ich es remote anbieten kann. Meine Professorin Nele Rußwinkel war damit einverstanden und so habe ich es dann letztes Jahr schnell umgesetzt.

Wurde die Erstellung Ihres Lehrangebotes durch Ihre eigenen Vorerfahrungen oder Erfahrungen Anderer beeinflusst?

Ich hatte bereits eine Idee davon, was E-Learning ist und dass es nicht heißt, man nimmt eine Vorlesung auf und dann ist es fertig. Ich hatte zu dieser Zeit außerdem eine studentische Hilfskraft mit E-Learning Erfahrung. Er hat mir geholfen, das Konzept der Vorlesung so umzuwandeln, dass es gut passt. Damit haben wir uns dann an das Online-Lehre-Team gewandt. Wir hatten mit dem Konzept zwar schon die Idee, Videos zu stückeln, Fragen zu stellen nach jedem Block und darüber hinaus Übungsfragen zu verwenden. Aber wir haben uns dazu nochmal beraten lassen.

Produktion der E-Learning-Inhalte

Gab es eine spezielle Ausrüstung für die Aufnahmen im eigenen Büro?

Ja genau, ich habe mir das Equipment – ein spezielles Mikrofon – vom Online-Lehre-Team ausgeliehen und musste mir noch Camtasia kaufen. Zusätzlich hatten wir schallisolierte Boxen. Und dann habe ich die Inhalte im Hochsommer zur Aufnahme eingesprochen. Konkret saß ich an meinem Schreibtisch, habe versucht dass die Höhe immer gleich ist und das Mikrofon dann aufgestellt. Dabei haben mir Peer Olaf-Kalis und Tabea Hasenkopf aus dem tu digit Team der ZEWK geholfen, damit es richtig ausgerichtet ist und ich die Aufnahmen in der verfügbaren Zeit schaffe: Ich hatte circa zwei Monate Zeit, um die Audio-Screencasts anzufertigen.

Die Video-Screencasts haben wir im Aufnahme-Studio der ZEWK erstellt. Die Aufnahmen wurden auch dort für mich geschnitten. Und die Audio- beziehungsweise Camtasia-Dateien hat die studentische Hilfskraft für mich bearbeitet.

Gab es bei der Postproduktion Schwierigkeiten in technischer Hinsicht?

Wir hatten Unterstützung und haben dann einfach losgelegt. Die studentische Hilfskraft kannte sich hiermit auch ein bisschen damit aus. Unser Ziel war auch kein ganz großes Angebot wie ein MOOC zu erstellen. Es musste ja nicht perfekt sein. Das war sehr wichtig, dass das nicht der Anspruch war.

Welchen Schwierigkeiten sind Sie im Verlauf der Konzeption bis zur Umsetzung begegnet und wie ließen sich diese umgehen oder lösen?

Eigentlich ist es ziemlich gut gelaufen. Ich musste ja das Modul erstmal anmelden und die Verantwortlichen dafür waren sehr offen dafür und fanden es gut. Sie haben mir auch geholfen und gesagt wie ich das hinbekomme. Etwas schwierig war das mit dem Vorlesungsverzeichnis. Es war etwas intransparent wo was steht und an wen man sich wenden muss. Dadurch war es dann nicht im Vorlesungsverzeichnis und dadurch hatte ich, glaube ich, dann etwas weniger Studierende letztes Jahr.

Die Hilfe, die ich bei der Erstellung der Screencasts erhalten habe, war total super. Auch dass es eine Beratung gab. Ich glaube, ich hatte auch Glück, dass die studentische Hilfskraft sich damit auskannte und ich freie Hand sowie die Unterstützung meiner Professorin hatte.

E-Learning versus Präsenzkurs

Gibt es Unterschiede in der Teilnahme Studierender? Werden Vor- oder Nachteile deutlich im Vergleich von Präsenzkurs und E-Learning-Angebot?

Es ist jetzt [im Wintersemester 18/19] das zweite Mal, dass dieser Kurs läuft. Beim ersten Mal waren es deutlich weniger Teilnehmende als im Offline-Kurs, ungefähr nur ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Das lag vielleicht daran, dass der Kurs im Vorlesungsverzeichnis an keinem bestimmten Tag aufgetaucht ist. Ich denke, Studierende schauen schon auch wie eine Vorlesung terminlich in den Stundenplan passt. Dieses Jahr habe ich es einfach an einem Montag angeboten und nicht ganz so viele Teilnehmende, aber viel mehr. Bei der Lehrevaluation im letzten Jahr habe ich sehr gutes Feedback bekommen. Es war auch ein bisschen besser als im Vorjahr, als ich die Inhalte noch als Präsenzlehre angeboten hatte.

Gut finde ich am E-Learning-Kurs, dass die Teilnehmenden quasi gezwungen sind, sich jede Woche mit dem Inhalt auseinander zu setzen, weil es jede Woche eine oder zwei Pflichthausaufgaben gibt. Dazu gibt es dann persönliches Feedback. Die Studierenden fanden es auch ziemlich gut, dass sie sich das aufteilen konnten, es also nicht an einem Tag machen mussten und es sich auch stückeln konnten. Man kann sich zum Beispiel auch die Folien anschauen oder den Inhalt nochmal anhören an Stellen, die man nicht verstanden hat.

Wir nutzen im Kurs auch das Forum von ISIS. Dort sollen auch Fragen gestellt werden. Im Semester werden dort am Anfang mehr Fragen zu Organisatorischem gestellt, aber es ist nicht ganz so aktiv wie in der Vorlesung. Ich finde es ein bisschen schade, dass im E-Learning der Austausch etwas weniger ist.

Verwenden Sie ein bestimmtes Tool oder eine Mischung verschiedener Plattformen und Werkzeuge? Warum gerade diese?

Wir haben es auf der ISIS-Plattform erstellt, weil das am naheliegendsten ist. Es gibt dort auch einen extra Video-Server zum Hochladen der Videos. Das ist prinzipiell sehr praktisch, da die Videos sehr viel Platz benötigen. Und man ist natürlich auch in einem passwortgeschützten Bereich und dadurch etwas abgesichert.

Im E-Learning-Angebot gibt es auch die Aufgabe, dass Studierende selbst ein Lehrvideo drehen sollen: Welches Equipment verwenden Studierende dafür?

Ich habe den Studierenden freigestellt, welches Equipment sie verwenden. Ich wollte nur gerne auch PowerPoint-Folien haben und entweder noch ein Video oder die Stimmen. Aber das haben sie selbst hinbekommen. Das Erlernen von Methodenkompetenz gehört ja auch dazu, dass man sich selbst überlegt wie man es umsetzt.

Verwaltung der Inhalte: Vor- und Nachteile

Wie gestaltet sich die Verwaltung der Daten? Ist die Administration umfangreicher oder erleichtert das E-Learning-Format auch etwas?

Jetzt ist es leicht, da ich das Material erstellt und eingeordnet habe und dadurch die einzelnen Abschnitte austauschen kann. Das ist einfacher als wieder eine Vorlesung zu halten. Aber letztes Semester war es deutlich aufwändiger. Den Aufwand, um das Angebot zu erstellen sollte man nicht unterschätzen. Das kostet schon Zeit. Es ist eher, dass es sich langfristig lohnt.

Ein bisschen schwierig ist, dass man die Erfassung der Teilnehmerzahlen der TU benötigt. Dafür brauche ich die Unterschriften der Studierenden, die ich per Aushang einhole. Dafür muss ich aber viel Druck machen, damit sie wirklich herkommen und unterschreiben. Im Präsenzkurs wäre das natürlich einfacher.

Zum Beispiel kann man auch die Kurse vom letzten Jahr in ISIS einfach kopieren. Aber die Videos vom Videoserver ließen sich leider nicht kopieren. Da das Hochladen der Videos sehr viel Zeit kostet, müsste man das noch ändern.

Feedback und Nutzungsverhalten Studierender

Wie ist das Feedback Studierender oder ihr Nutzungsverhalten?

Die Studierenden schnitten im offline-Testat besser ab als die Gruppe im Vorjahr. Aber das kann in einer kleineren Gruppe verschiedene Gründe haben. Und diejenigen, die das E-Learning-Angebot im letzten Jahr besucht haben, fanden den Kurs auch gut. Sie haben sich eigentlich nicht gewünscht, dass es offline ist. Sie hätten sich aber gewünscht, sich ein oder zweimal offline zu treffen – das konnte ich ja von Australien aus nicht. Der zweite Teil im Kurs ist, dass sie selbst eine Projektarbeit machen und sich mit dem Betreuer – mir – treffen und ich ihnen Guiding gebe während sie zwei Produkte auf Usability evaluieren. Das haben wir via Skype gemacht und es hat eigentlich auch gut geklappt.

Dieses Jahr schreiben sie auch Testate, bei denen ich anwesend bin, sodass ich mit ihnen auch Sachen besprechen kann. Das einzige, das nicht Teil des E-Learning ist, ist also eigentlich das Testat. Das wollte ich nicht als online-Prüfung erstellen.

Fazit

Was ist Ihr Fazit in Bezug auf E-Learning-Lehrangebote?

Ich finde, man sollte viel mehr E-Learning erstellen, weil man dadurch mehr Zeit für inhaltliche Fragen hat. Man macht dann die Vorlesungsperformance nur einmal und meistens hält man die Vorlesung ja mehrere Jahre lang. Das finde ich total gut. Außerdem hat es sehr geholfen, sich mit dem Material auseinander zu setzen und zu überlegen wie man es zum Beispiel in Fragen umwandeln kann. Ich mag nicht unbedingt Videos von mir selbst anzuschauen. Vielleicht kostet das ein bisschen Überwindung, aber mit Audio-Screencasts finde ich es eigentlich ganz cool und ich glaube die Studierenden fanden es auch ganz gut. Ich finde es gut, dass es geklappt hat und ich es dieses Jahr nochmal anbieten kann.

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